Wahrer Reichtum und wirklicher Luxus, miteinander vereint…

Manche Menschen fühlen sich reich und meinen, im Luxus zu leben, weil sie viel Materielles ihr Eigen nennen, sie ein dickes Bankkonto besitzen, sich „etwas leisten“ können. Diese Art von Luxus besitze ich nicht, reich in finanzieller Hinsicht bin ich nicht. Manches, das ich mir gerne leisten würde, wird wohl noch ein Weilchen in der Warteschleife seine Kreise ziehen dürfen. Ich könnte diese Warteschleife etwas verkürzen, doch der Preis, den ich dafür zu bezahlen hätte, der ist mir zu hoch. Denn der wahre Reichtum und der wirkliche Luxus in meinem Leben, das ist meine zeitliche Freiheit.

Diesen Schatz hüte ich, ganz bewusst und packe ihn dann aus, wenn mir der Sinn danach steht. Gestern war so ein Tag. Ein Montagmittag, wie er im herbstlichen Bilderbuch steht. Einiges an Arbeit hätte daheim auf mich gewartet. Sie war noch da, als ich, erfüllt von diesem besonderen Tag, wieder daheim angekommen bin. Das ist das Schöne daran: die Arbeit läuft uns nicht davon, während wir uns von Mutter Erde mit dem Lächeln ihrer Blumenkinder beschenken lassen.

Im kleinen Blumengarten von Höglwörth haben sie mich angestrahlt. Noch etwas taunass begrüßten sie mich an diesem Ort, wo einst keine alten Kirchenmauern standen, sondern Frauen die Seelen ihrer zukünftigen Kinder zu sich baten aus den Tiefen des Sees. Nicht ertrunken sind die Frauen dabei, wie uns die Sage vom „Elfenstein“ am Höglwörther See weis machen will, sondern untergetaucht sind sie in diesem „Teich der Percht“, um das neue Leben in ihren Leben schenkenden Schoß einzuladen.

Mich hat Höglwörth gestern mit Ruhe und Stille empfangen. Das Gasthaus hatte geschlossen, nur wenige Menschen nahmen sich die Zeit, diesen herbstlich-sonnigen Wochenbeginn mit einer Runde um den Höglwörther-See zu begehen. Im Kloster selber bewegte ich mich als einzig sichtbare, lebendige Menschenfrau. Doch ich spürte, dass sie noch da sind. Dort, von wo sie einst von den Kirchenmännern vertrieben wurden, damit sie all das auf den heiligen Frauenplatz am Fuße des Högls bauen konnten, was sich inzwischen, wieder verlassen, im Wasser des Sees spiegelt.

In der Seitenkapelle, da hab ich sie getroffen. Der Kirchenführer von Höglwörth findet es nicht der Mühe wert, ihnen eine Erklärung zu widmen. Verschwiegen werden sie darin, niemand soll auf sie aufmerksam werden und doch sind sie da, unübersehbar, wenn wir unseren Blick wieder öffnen für sie. Barbara lehnt an ihrem Turm, Katharinas Radl blitzt neben ihr hervor und Margarethes Drache am Bandl tollt zu ihren Füßen, dort oben in den Wolken, herum. Elf göttliche und heilige Frauen haben sich auf der Wolken-Insel versammelt, um ihren alten Frauenkultplatz durch die Zeiten hindurch zu hüten. Mögen sie uns Frauen wieder daran erinnern, dass wir nicht aus einer männlichen Rippe entstanden sind, sondern das Blut des Lebens in unserem Schoß tragen, das sich Monat für Monat wandelt, um daraus das neue Leben auf die Erde zu bringen.

 

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